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Elisabeth Kulmann (russischer Name: Elisaveta Borisnova Kul'man) gehört zu den in Vergessenheit geratenen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts. Sie wuchs in St. Petersburg in einer Familie deutscher Herkunft auf und wurde von Karl Friedrich von Großheinrich unterrichtet. Er erkannte frühzeitig ihr sprachliches und literarisches Talent und förderte es. Zudem erhielt sie Unterricht bei einer befreundeten Familie mit deren Töchtern in Mathematik und Naturwissenschaften, sowie in Zeichnen, Tanz und Musik. Sie sprach fließend Russisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch und Neugriechisch. Außerdem verstand sie Latein, Altgriechisch und Kirchenslawisch.
Sie entwickelte ein besonderes Interesse an deutscher Literatur und der klassischen Antike. Sie betätigte sich übersetzerisch und begann selbst, literarische Werke in klassischer Form, zu schreiben. Großheinrich schickte einige deutsche, französische und italienische Dichtungen Elisabeths, die sie als Dreizehnjährige geschrieben hatte, an Goethe und Jean Paul. Sie wurde unter der Bezeichnung "Nordische Wunderblume" bekannt.
Nach der Überschwemmungskatastrophe in St. Petersburg (1824) starb sie im Alter von 17 Jahren nach längerer Krankheit an Schwindsucht. Angesichts ihres sehr kurzen Lebens war der Umfang ihrer Übersetzungen und ihrer dichterischen Werke erstaunlich. Ihre Werke wurden nach ihrem Tod durch die Bemühungen ihres Lehrers Großheinrich veröffentlicht.
Kaiserin Alexandra Feodorowna und Großfürstin Helena Pawlowna ließen auf dem Grab Elisabeth Kulmanns ein Denkmal errichten. Die in Russland aufgewachsene und sich als Russin fühlende Dichterin deutscher Abstammung schrieb einen Teil ihrer Gedichte in deutscher Sprache, häufig mit autobiografischem Anteil. Robert Schumann (1810-1856) war von diesen Gedichten fasziniert und vertonte sie in einem Vokalzyklus: Sieben Lieder nach Gedichten von Elisabeth Kulmann op. 104:
Mond, meiner Seele Liebling Viel Glück zur Reise, Schwalben! Du nennst mich armes Mädchen Der Zeisig Reich mir die Hand, o Wolke Die letzten Blumen starben Gekämpft hat meine Barke.
Quellen:
Bildnachweis
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