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Selma Meerbaum-Eisinger war die Tochter des Ladenbesitzers Max Meerbaum in Czernowitz. Schon früh begann sie mit der Lektüre jener Autoren, die großen Einfluss auf ihr eigenes Werk ausübten: Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke, Klabund, Paul Verlaine und Rabindranath Tagore. Ab 1939 begann sie, eigene Gedichte zu schreiben und aus dem Französischen, Rumänischen und Jiddischen zu übersetzen.
Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in das 1940 von Rumänien an die Sowjetunion abgetretene Czernowitz im Juli 1941 wurde die Familie Eisinger gezwungen, im Ghetto der Stadt zu leben. 1942 wurde die Familie in das Arbeitslager Michailowska in der Ukraine deportiert, wo Selma Meerbaum-Eisinger achtzehnjährig an Flecktyphus starb. Das Werk Selma Meerbaum-Eisingers umfasst 57 Gedichte, die von ihr zu einem mit Bleistift handschriftlich verfassten Album unter dem Titel Blütenlese zusammengefasst worden waren, welches ihrem ein Jahr älteren Freund Lejser Fichman, ihrer großen Liebe, gewidmet war. Dieses Album wurde von Fichman während des Krieges einer Freundin Selma Meerbaum-Eisingers übergeben, durch die es nach Israel gelangte. Dort wurden die Gedichte erstmals als Privatdruck veröffentlicht. Fichman war auf der Flucht nach Palästina umgekommen. Die eigentliche Entdeckung Selma Meerbaum-Eisingers erfolgte im Jahre 1980 durch die Veröffentlichung ihrer Gedichte in der Bundesrepublik Deutschland durch den Journalisten und Exil-Forscher Jürgen Serke, welcher von Hilde Domin auf die Gedichte aufmerksam gemacht wurde.
Serke veröffentlichte das verschollene Album der Lyrikerin unter dem Titel "Ich bin in Sehnsucht eingehüllt" bei Hoffmann und Campe. Im November 2005 erschien eine Neuauflage, auch ein Hörbuch mit Iris Berben wurde produziert. Bei Selma Meerbaum-Eisingers überlieferten Gedichten handelt es sich vorwiegend um impressionistische Liebeslyrik und Naturlyrik von beachtlicher Stilsicherheit, die durchgängig von einer melancholischen Grundstimmung geprägt sind. Literaturkenner zählen sie heute zur Weltliteratur. Die Lyrikerin Hilde Domin gestand einmal, die Gedichte Selma Meerbaum-Eisingers "weinend vor Aufregung" gelesen zu haben, die "so rein, so schön, so hell und so bedroht" seien. Das schmale Werk der jungen Autorin gehört neben den Gedichten Rose Ausländers und Paul Celans, mit dem sie einen gemeinsamen Urgroßvater hatte, zum großen literarischen Erbe der ausgelöschten deutsch-jüdischen Kultur der Bukowina.
Quelle:
Wikipedia
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