Elfriede Jelinek
* 20. Oktober 1946 in Mürzzuschlag/Steiermark

Elfriede Jelinek wurde 1946 in Mürzzuschlag geboren. Ihre Mutter Olga, geb. Buchner, stammte aus dem Wiener Großbürgertum und erhielt die Familie längere Zeit durch ihre Tätigkeit als Buchhalterin. Ihr Vater Friedrich Jelinek, jüdisch-tschechischer Abstammung, war Chemiker. Sein „kriegsdienlicher“ Beruf bewahrte ihn vor Verfolgung unter dem NS-Regime; ihm wurde ein Arbeitsplatz in der Rüstungsindustrie zugewiesen. Friedrich Jelinek starb 1969 in einer psychiatrischen Klinik in völliger geistiger Umnachtung.

Mit 13 wurde Elfriede Jelinek ins Konservatorium der Stadt Wien aufgenommen und studierte dort Orgel, Klavier und Blockflöte. Parallel dazu absolvierte sie die Mittelschulausbildung an einem öffentlich-rechtlichen Gymnasium, der Feldgase.

In der Tradition der Wiener Gruppe führte Jelinek für sich die Kleinschreibung ein. Nach der Matura erfolgte der erste psychische Zusammenbruch; sie inskribierte jedoch für einige Semester Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft, bis sie 1967 das Studium, durch Angstzustände gezwungen, abbrechen musste und ein Jahr lang zu Hause in völliger Isolation verbrachte. Während dieser Zeit begann sie zu schreiben; ihre ersten Gedichte wurden in Zeitschriften und kleinen Verlagen gedruckt, der erste Roman "bukolit" (1968) blieb allerdings bis 1979 unveröffentlicht. Nach dem Tod ihres Vaters begann sie sich zu erholen; sie engagierte sich im Umfeld der 68er-Bewegung und lebte für einige Monate lang in einer linken Wohngemeinschaft u.a. mit Robert Schindel.

1974 trat sie der KPÖ bei und engagierte sich beim Wahlkampf, sowie bei Kulturveranstaltungen. Im selben Jahr heiratete sie Gottfried Hüngsberg. Dieser schrieb zu dieser Zeit Filmmusik für Rainer Werner Fassbinder, war jedoch seit Mitte der 70er als Informatiker in München tätig.

Seit der Heirat lebte Elfriede Jelinek abwechselnd in Wien und München. Der literarische Durchbruch gelang ihr 1975 mit dem Roman "die liebhaberinnen", der marxistisch-feministischen Karikatur eines Heimatromans. Vor allem in den 70ern entstanden zahlreiche Hörspiele; Anfang der 80er erschienen "die ausgesperrten" als Hörspiel, Roman und schließlich auch als Film mit Paulus Manker.

Der erste große Skandal um Jelinek wurde 1983 durch die Uraufführung von Burgtheater heraufbeschworen. Das Drama setzte sich mit der mangelhaften NS-Vergangenheitsbewältigung in Österreich auseinander. 1991 trat Jelinek wieder aus der KPÖ aus.

Nachdem das Theaterstück Raststätte eine ähnliche Rezeption wie Lust erfuhr und nach persönlichen Angriffen auf die Autorin auf Wahlplakaten der Wiener FPÖ 1995 gab Jelinek ihren Rückzug aus der österreichischen Öffentlichkeit bekannt und erließ ein Aufführungsverbot ihrer Stücke für die Staatstheater. Im Jahr 2004 erhielt sie den Literaturnobelpreis.

Quelle:

Wikipedia

Bild:

Wikipedia (Engl. Ausgabe)